SARS-CoV-2 in Peru

Hallihallo,

Hier kommt, wie angekündigt, der nächste Blogeintrag. Allerdings nicht, wie geplant, die Erlebnisse im Januar und Februar schildernd, sondern ganz aktuell die derzeitige Lage beschreibend. Es geht, die hellsten Köpfe mögen es erahnt haben, um das Corona-Virus.

Die Fallzahlen von Corona-Infektionen in südamerikanischen Ländern sind, aktuell zumindest, nicht mit denen in Europa zu vergleichen. Die Maßnahmen der Regierungen allerdings schon. Während Peru mit derzeitig 234 Corona-Infizierten noch recht gut darsteht, tut die Regierung allerdings alles erdenklich Mögliche, um die Zahlen niedrig zu halten. So hat die Regierung seit vergangenem Wochenende eine landesweite Quarantäne ausgerufen. So dürfen wir nur noch das Haus verlassen, um einzukaufen, zur Bank zu gehen oder zur Apotheke. Die Einhaltung der Quarantäne wird streng durch die Polizei und das Militär kontrolliert. Zusätzlich wurde eine absolute Ausgangssperre zwischen 20 Uhr abends und 5 Uhr morgens verhängt. Nicht nur zu diesen Zeiten wirken die sonst so belebten, lauten und chaotischen Straßen Piuras wie ausgestorben. Und die Regierung hat, für uns am folgenreichsten, die Entscheidung getroffen, keinen Luftverkehr mehr nach Peru kommen und von Peru gehen zu lassen. Das betrifft uns insofern, als dass wir vor einigen Tagen, wie schon zuvor befürchtet, von unserer Organisation über den Umstand informiert worden sind, dass Weltwärts alle deutschen Freiwilligen zurück nach Deutschland schickt. Das ist natürlich super schade, da uns regulär noch ganze fünf Monate voller neuer und gewohnter Eindrücke und Erfahrungen hier in Peru bevorstanden. Es gab noch so viel, was ich mir vorgenommen habe für die nächsten Monate, was ich noch machen und erreichen wollte. Das fällt jetzt alles leider weg. Allerdings ist es, aus meiner Sicht zumindest, die richtige Entscheidung der deutschen Regierung, uns hier rauszuholen. Während die Zustände derzeit noch relativ stabil sind, ist es lediglich eine Frage der Zeit, bis hier in Peru die Fallzahlen europäische Verhältisse erreichen und sich die Versorgungslage eventuell verschärfen könnte. Außerdem ergibt es auch einfach keinen Sinn, mein zweites Halbjahr als Freiwilliger in monatelanger Quarantäne zu verbringen. Interkulturelle Erfahrungen stelle ich mir dann doch irgendwie anders vor… Dass die ganze Geschichte nämlich in ein paar Wochen vorbei ist, ist absolut ausgeschlossen.

Folglich sind wir hier seit Tagen am Warten auf irgendwelche interessanten Updates seitens der deutschen Botschaft. Von den rund 4000 Deutschen in Peru, die aufgrund des eingestellten Linienflugverkehrs mit Sonderflügen hier rausgeholt werden müssen, werden (verständlicherweise) Touristen und Reisende priorisiert, die planmäßig nur einige Wochen in Peru bleiben wollten. Wir Freiwillige, die wir ja schon die Sprache sprechen, in einer Wohnung leben und sowieso vorhatten, hier länger zu bleiben, sind zum Schluss an der Reihe. So heißt es nun abwarten und rumgammeln.

Zuversichtliche Grüße aus Peru!

Benedikt

La Tortuga

Hey, ich melde mich nach monatelanger Pause mal wieder. Ich würde jetzt gerne sagen, dass eine längere Schreibblockade die Ursache für das Nicht-Schreiben von Blog-Einträgen in den letzten Monaten war; allerdings muss ich ganz ehrlich zugeben, dass ich einfach keinen Bock hatte, mich an den Rechner zu setzen und einen Bericht zu schreiben. Während mein innerer Schweinhund für sportliche Angelegenheiten ein jämmerliches Tier ist, scheint der Schweinehund für die wirklich wichtigen anstehenden Dinge ein großes Monster zu sein. Wie auch immer – ich bin zurück!

Am 13. Dezember haben wir in CANAT, der Organisation, bei der ich eine ganze Menge Erfahrungen als Freiwilliger sammele, das Abschlussfest gefeiert. Seitdem ist CANAT, für die Kinder und Jugendliche und ihr Betreuungs-, Bespaßungs- und Bildungsprogramm zumindest, geschlossen. Am 16. März wird CANAT wieder offiziell aus den Sommerferien erwachen und ich damit meine gewohnten Tätigkeiten mit den Kindern beim Fußballtraining in „Manitos jugando“ und bei den Schulkindern in „Manitos trabajando“ fortsetzen. In der Zwischenzeit habe ich aber auch eine ganze Menge interessanter Dinge erlebt, über die ich nach und nach in diesem und in folgenden Blogeinträgen (, die zukünftig deutlich frequentierter erscheinen werden) gerne berichten würde. Zuallererst wäre da „La Tortuga“ zu nennen.

La Tortuga (deutsch: die Schildkröte) ist ein Fischerdorf, was ungefähr anderthalb Autostunden westlich von Piura liegt. Jeden Samstag verbringt Gabi, die Direktorin der Organisation, in La Tortuga, wo sie einige Kinder mit an den Strand nimmt, spielt und ein leckeres Ceviche, ein traditionelles aus rohem Fisch, Limette, Zwiebel und Aji, einer scharfen Paprikasorte, bestehendes Gericht, was in der Region Piura, gemeinsam zubereitet und gegessen wird. Die Samstag-Ausflüge nach La Tortuga haben mit CANAT selber nichts am Hut, sind also zu 100% von Gabi selbst organisiert und für uns Freiwillige ein freiwilliges Wochenendangebot. So kommt es, dass ich nahezu jeden Samstag, sofern der Tortuga-Ausflug nicht ausfiel, was sehr selten der Fall ist, nach La Tortuga mitgekommen bin und in eine völlig neue Welt eingetaucht bin.

La Tortuga ist nicht arm. Das sieht man sofort an den aus soliden Steinmauern bestehenden Häusern, an den vor den Häusern geparkten Mototaxis, mit denen die Fischer ans Meer runterfahren, und nicht zuletzt auch an den gigantischen Flachbildfernsehern, die jedes Haus zu besitzen scheint. Dafür mangelt es aber an Essentiellem: Trinkwasser. Mehrmals die Woche kommt ein Lastwagen aus Paita, der nächsten größeren Stadt, und bringt den Tortugueños ihr Wasser. Allerdings war das erste, was mir an La Tortuga negativ auffiel der Müll. Noch nie habe ich in meinem Leben einen derart kontaminierten Ort gesehen. Besonders die Barrancos, wo die meisten Menschen ihren Müll entsorgen, sehen echt wie richtige Müllhalden aus. Das wahre Ausmaß des Problems wird aber erst sichtbar, wenn man ein paar hundert Meter aus dem Dorfzentrum der Küste in Richtung Norden hin folgt. Dieser Anblick ist einfach deprimierend. Besonders erinnere ich mich an ein Ereignis: Ich kehrte von Norden kommend zusammen mit meinem Mitfreiwilligen Christian ins Dorf zurück, als ich einen großen Müllwagen sah. Er trug die Aufschrift „Para una Tortuga limpia, culta y bella“ („Für ein sauberes, kultiviertes und schönes La Tortuga“) und war gerade dabei, den ganzen Müll, den er von den Haushalten in La Tortuga aufgesammelt hatte, ein paar hundert Meter weiter nördlich in die Landschaft zu kippen. Als die Müllarbeiter uns und mein Handy in der Hand gesehen haben, haben sich mir zugerufen, keine Fotos zu machen; die eine Aufnahme möchte ich euch dennoch gerne zeigen.

Abgesehen von der Abstinenz jeglicher hygienischen Einrichtung, wie Toiletten, eines funktionierenden Müllentsorgungssystems und fließenden Wassers, ist La Tortuga aber ein echt schöner Ort. Absolutes Highlight: Das Meer und seine steinigen, felsigen, abschnittsweise aber auch strandigen Küsten. Jeden Samstag gehen wir mit den Kindern ans Meer und es ist einfach jedes Mal aufs neue ein wunderbares Gefühl, am Strand, der abgesehen von einigen Fischern, die gemeinsam ihre Flöße ans Land ziehen und ihren heutigen Fang begutachten, menschenleer ist, die frische Brise zu genießen, die vielen roten Krebse und Krabben zu beobachten oder mit den Jungs mit sogenannten Cordeles, einer Angelschnur an einem Stück Holz befestigt, (zu versuchen,) von den Felsen aus Fische zu fangen.

So;

Was hat das ganze aber mit der Zeit zwischen Dezember und März zu tun, über die ich berichten wollte?

Ich habe nämlich eine Woche in La Tortuga zusammen mit meinen beiden Mitfreiwilligen gelebt. Gabi hat dort nämlich ein kleines Haus, das im Wesentlichen aus einem großen Raum besteht, der Küche, Esszimmer und Schlafzimmer in einem ist. Aufgrund der Mittagshitze besteht der nutzbare Tag in La Tortuga aus Vormittag und Nachmittag. Vormittags bin ich meistens runter zum Strand gegangen und habe mitgeholfen, den Fischern ihre Flöße ans Land zu ziehen. Diese Flöße, mit denen die Fischer, erstaunlich geschickt das Gleichgewicht haltend, aufs Meer hinausfahren, sind nämlich wahnsinnig schwer und so bedarf es stets der Mithilfe mehrerer Männer, die Flöße ans Land zu ziehen. So haben die Fischer untereinander ein sehr kameradschaftliches, freundschaftliches Verhältnis. Meistens gibt dann der Fischer, der vom Meer zurückkommt, den Mithelfern einige Fische für den Privatkonsum ab. In La Tortuga wird mehrmals täglich Fisch gegessen. Einmal hat mich der Nachbar, Manuel, zum Fischfang mitgenommen. Morgens um vier sind wir mit seinem Mototaxi ca. 20 Minuten bis zum Strand gefahren, wo sein Floß gelagert war. Dann haben wir das Floß ins Wasser geschoben und waren für die nächsten zwei, drei Stunden auf dem Meer. Ich saß dabei durchgehend auf einer umgedrehten Plastikkiste, da ich wohl sonst Gefahr gelaufen wäre, auf dem extrem wackeligen Floß ins Meer zu fallen. Da ich am Morgen, bevor noch die Sonne aufgegangen war, extrem fror, blieb ich also lieber auf der Kiste sitzen. Während Manuel das Netz auswarf und nach einiger Zeit wieder einholte, war es meine Aufgabe, die Fische aus den Maschen zu befreien und ihnen mit einer kräftigen Bewegung das Genick zu brechen, indem ich ihnen den Kopf auf den Rücken drehte. Am Anfang habe ich es noch häufig falsch gemacht, weshalb mich Manuel streng korrigierte. Besonders schön war, als dann die Sonne aufging, und Mann langsam den feuerroten Ball sich über das Meer emporheben sah. Häufig hat man auch die Seehunde brüllen gehört und aus dem Wasser auftauchen sehen, was bei den Fischern auf den Flößen im Allgemeinen Besorgnis auslöst, da die Seehunde ihnen die Fische aus den Netzen reißen und diese dabei beschädigen. Für diese Erfahrung, beim Fischen dabei zu sein, bin ich sehr dankbar und hoffe, das irgendwann wiederholen zu können.

Nachmittags sind wir häufig an den Strand gegangen. Häufig waren da auch einige Kinder, mit denen wir auch gespielt haben. Aber auch einfach nur im Schatten der Klippen zu sitzen und auf die Weiten des Pazifiks hinauszuschauen war auch nicht schlecht. Zweimal habe ich auch Fußball gespielt mit den Fischern. Das Dorf hat nämlich ein großes Kunstrasenfeld, wo sich die Fischer häufig treffen, um in zwei Teams gegeneinander mit einem jeweiligem Wetteinsatz von 10 Soles Fußball zu spielen. So habe ich da auch mitgespielt. Einige der Fischer sind wirklich gute Fußballspieler, während andere eher ziemlich schlecht sind. Ich selbst habe ganz okay gespielt, allerdings weit unter meinen Möglichkeiten. Irgendwie werde ich ständig nervös, wenn ich mit neuen, unbekannten Menschen Fußball spiele. Dennoch konnte ich aber ein paar Tore auf mein Konto verbuchen. Nach dem Fußballspiel bin ich dann immer zum Strand runtergegangen, da das Meer im Übrigen die einzige Möglichkeit war, sich zu duschen. Achja, und nachher haben wir immer noch ein paar Wasserkanister mit Meerwasser hochgetragen, um Wasser zum Händewaschen und zum Abwaschen von Geschirr zu haben. Ansonsten habe ich in La Tortuga viel gelesen und viel nachgedacht, da in der Mittagszeit eh nichts anderes möglich ist. Gegen Ende hat es mich dann voll erwischt. Irgendwie habe ich mich mit einem Virus oder so angesteckt und ziemlich schlimmen Durchfall bekommen. Durchfall ist doof, wenn man zuhause ist und eine Toilette hat, ist aber um einiges doofer wenn man irgendwo draußen auf Toilette gehen muss, das könnt ihr mir glauben. So bin ich dann, meiner gesundheitlichen Situation wegen, einen Tag früher abgereist.

Insgesamt war die Erfahrung, eine Woche lang in La Tortuga zu leben, dennoch extrem bereichernd und ich erinnere mich heute weitgehend gerne daran zurück.

Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Mal!

„Vivir el evangelio“

Ich bin ein Jesuit Volunteer, ein Freiwilliger der Jesuitenmission. Eines katholischen Ordens. Und da CANAT eine Institution ist, die größtenteils von der Jesuitenmission finanziert wird, habe ich erwartet, sehr viel religiösen Inhalt in CANAT vorzufinden.

Dem ist aber nicht so. Nirgends hängen Kreuze, es wird nicht vor dem Essen gebetet und allgemein spielt der Glauben augenscheinlich eine untergeordnete Rolle. Augenscheinlich.

Denn nach Gesprächen mit Gabi, der CANAT-Chefin, und nach nun drei Monaten Erfahrung finde ich heraus, dass der Glauben so tief in den Herzen der Menschen verankert ist, dass keine Kruzifixe vonnöten sind, um sich an den Glauben zu erinnern. Nachdem ich auch einigen Messen beigewohnt habe und auch allgemein recht viel Kontakt zu den piuranischen Jesuiten habe, merke ich, worauf der Fokus des Glaubens liegt:

Das Evangelium, die Lehre Christi, alltäglich zu leben anstatt sie lediglich zu predigen.

Mit anderen Worten: Es ist scheißegal, wie häufig du in die Kirche gehst. Solange du nicht versuchst, im Umgang mit deiner Umwelt Christi Lehren zu folgen, nimmst du deinen Gluaben auch nicht ernst.

In dem Sinne: Lasst uns das Evangelium leben!

Mit Christian und Antonio, einem angehenden Jesuiten, mit dem ich viel über Gott und den Glauben geredet habe.

Rhythmus gefunden

Als ich gestern auf meinem Handy das Datum gesehen habe, bin ich erstmal ein wenig stutzig geworden: 18.10.2019

Krass… Einen ganzen Monat bin ich nun schon hier. Obwohl mir meine Abreise aus Berlin noch so präsent ist, habe ich doch hier schon so viel erlebt, so vieles gesehen und mich mittlerweile auch total in meinen Alltag eingelebt. Viele von euch fragen sich sicherlich, was ich hier eigentlich genau meine Aufgaben sind; deshalb werde ich in diesem Eintrag mal ein wenig davon berichten.

Von den drei Programmen „Manitos jugando“, „Manitos trabajando“ und „Manitos creciendo“ arbeite ich eigentlich nur bei zweien richtig mit. Dienstags bis freitags bin ich von 15 bis 18 Uhr in der „Ludoteca“, wo das Programm von „Manitos jugando“ im Kiez „Monica Zapata“ stattfindet. Dort unterstütze ich Manuel, einen CANAT-Mitarbeiter, beim Fußballtraining mit vielen Kindern (ca. 7-13 Jahre). Sport und Spiel dient aber nicht nur als simple Bespaßung, sondern ist auch aus pädagogischer Sicht wichtig, da Werte wie gegenseitiger Respekt, Anstrengung, Autonomie und Verantwortung durch den Sport vermittelt werden. Konkret bedeutet das, dass Manuel und ich die Kinder zum Mitmachen motivieren, sie bei Streitigkeiten untereinander an den gegenseitigen Respekt erinnern und Konflikte schlichten und ihre Autonomie fördern, indem sie sich zum Beispiel eigenständig Fußball-Übungen ausdenken sollen. Häufig gibt es aber in „Manitos jugando“ kleine Kampagnen, wie die Umwelt-Kampagne oder die Hygiene-Aktion.

Bei „Manitos jugando“ unterstütze ich Manuel beim Fußballtraining
Bei der Hygiene-Kampagne teile ich Handtücher aus

Mittwochs und freitags vomittags bin ich bei „Manitos trabajando“, wo ich viel mit Schulkindern (ca. 12-16 Jahre) zu tun habe. Dort spiele ich viel Fußball mit ihnen, unterstütze sie bei den Hausaufgaben oder beim Lernen oder unterhalte mich auch einfach viel mit ihnen. Das schulische Niveau der Kinder ist dort sehr unterschiedlich: Während sich ein Junge, der „CANAT-Vorzeige-Jugendliche“, nach Beendigung der Schule für das Medizin-Studium an der Universität von Piura bewerben will, sind andere Kinder kurz davor, zum dritten Mal in ihrer Schullaufbahn sitzen zu bleiben, weil sie gigantische Bildungslücken haben. Besonders in Mathe, Englisch und Spanisch kann ich den Kindern also besonders weiterhelfen. Die Hausaufgaben-Unterstützung gestaltet sich jedoch zumeist schwieriger als gedacht. Die meisten Kinder brennen nämlich nicht gerade darauf, sich eine Stunde lang durch die lästigen, durch Fehlen im Unterricht zusätzlich erschwerten, Hausaufgaben zu quälen. Und das auch noch mit einem wie mir, der ihnen nicht die Lösung vorsagt, sondern sie selber nachdenken lässt. Dennoch macht mir diese Arbeit am Morgen besonders viel Spaß; auch, weil ich da die mein größtes Potenzial sehe, irgendwie helfen zu können.

Was meine (und meiner Mitbewohner) kulinarische Versorgung angeht, so ist der Markt, der in der Nähe von CANAT liegt, sehr wichtig für uns geworden. Morgens gibts für mich eine Schale Haferflocken mit Früchten (beides vom Markt). Mittags essen wir immer in der Mensa von CANAT, meistens Reis mit Linsen oder Thunfisch. Das Essen ist aber immer sehr lecker von der Köchin Petito. Abends essen wir meistens Abendbrot und häufig Obst und Gemüse vom Markt.

Meine Mitfreiwillige Dorotea beim Markteinkauf

Ansonsten mache ich in meiner Freizeit viel Sport, ich gehe häufig laufen. Aber auch zuhause ein wenig rumgammeln, was lesen, mit Familie und Freunden in Kontakt sein gehört natürlich auch dazu. Oder eben solche erstklassigen Blogeinträge zu schreiben.

Und damit: Hasta pronto!

Anreise und erste Eindrücke von Piura

„Scheiße, hoffentlich kriege ich den Flieger in Madrid“, war so ungefähr mein erster Gedanke, als ich zum ersten Mal in meinem Leben alleine in ein Flugzeug stieg. Ich, Benedikt Wendte, gerade erst 18 Jahre alt geworden, sollte jetzt ein ganzes Jahr in Peru, einem mir bis dato völlig unbekanntem Land verbringen. Dabei galt meine ganze Aufmerksamkeit zum Auftakt dieser neuen Etappe erstmal der Anreise. Mein Flieger nach Madrid kam mit einer Verspätung von 20 Minuten an und meine ohnehin knappe Umstiegszeit für meinen Flug nach Lima schrumpfte auf lächerliche 40 Minuten zusammen. So habe ich es wohl meiner mühsam antrainierten Laufausdauer zu verdanken, dass ich kurz vor dem Schließen des Gates ins Flugzeug nach Peru stieg.

In Lima angekommen aber, erwischte mich das Pech dann doch. Als ich nämlich nun schon 20 Minuten am Gepäckband stand und auf meinen Rucksack wartete, kam er einfach nicht. Am Ende wurden daraus ganze 40 Minuten, bis endlich mein Rucksack ankam. Danke Iberia! So schaffte ich es nicht mehr rechtzeitig zum Schalter, um mein Gepäckstück aufzugeben. Zum Glück traf ich auf Markus, einen evangelischen Missionar, der im peruanischen Amazonasgebiet in indigenen Dörfern missioniert, mit dem ich mich auch schon auf dem Flug nach Lima ein wenig unterhalten habe. Er hat mich sehr nett begleitet und nachdem wir uns dann einen Weiterflug für mich nach Piura organisiert haben, lud er mich auf ein kleines Frühstück und sehr intensive wie interessante Gespräche über Gott ein. So konnte ich am Ende ohne größere Probleme in Piura am Flughafen ankommen, wo ich von meinen beiden mitfreiwilligen Christian und Dorothea, sowie Gabi, der Leiterin des Programmes, bei dem ich meinen Freiwilligendienst absolvieren werde, herzlich empfangen wurde.

Erste Eindrücke in Piura

Piura ist bunt. Und laut. Und belebt. Überall auf der Straße laufen Menschen herum. Die Bürgersteige sind schmal, der Verkehr chaotisch. Man überquert die Straße, wenn ein Auto nicht unmittelbar vor dir ist. Anfangs habe ich jedes Mal, wenn ich die Straßenseite gewechselt habe, fast einen Herzinfarkt bekommen, weil die Autos hier so dicht fahren. Aber langsam gewöhne ich mich daran.

CANAT, das Projekt, bei dem ich arbeite, ist in drei große Sektoren geteilt: Manitos jugando, Manitos trabajando und Manitos creciendo.

„Manitos jugando“ kümmert sich um spielerisch gestaltete Nachmittagsbeschäftigung für Kinder von 1-12 Jahren. Für die älteren Jungs und Mädchen heißt das meistens Fußballspielen, die Jüngeren spielen andere Spiele oder basteln meistens. Ich werde immer nachmittags von Dienstag bis Freitag arbeiten und werde Manuel unterstützen, den Leiter, der vor Allem mit den älteren Kindern zu tun hat. Am Donnerstag war ich das erste mal dort. Die Kinder haben Plakate für den Samstag gebastelt, wo wir eine kleine Umwelt-Kampagne machen wollten, um auf die Müllproblematik in diesem Viertel aufmerksam zu machen. Als Belohnung gab es Fußball. Die Kleineren, im Kindergarten-Alter, haben Sachen gebastelt. Heute, am Samstag haben wir dann die Umwelt-Aktion gehabt. Dabei haben wir viel Müll in Säcke gesammelt. Die Kinder haben auch, trotz sengender Hitze, gut mitgearbeitet. Allerdings wurde der Straßenumzug mit Schildern auf Donnerstag verlegt, da die Kinder mit Familien nicht zahlreich genug erschienen.

„Manitos trabajando“ ist das Programm, welches sich sowohl vormittags als auch nachmittags um die schulische und persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen kümmert. Bei „Manitos trabajando“ werde ich mittwochs und freitags vormittags arbeiten. Gestern war ich dort zum ersten Mal und es hat mir sehr gut gefallen. Die Kinder gehen dort vormittags hin, bevor sie nachmittags zur Schule gehen und machen dort ihre Hausaufgaben, spielen Fußball, …

„Manitos creciendo“ kümmert sich um Kinder und Jugendliche, die zumeist die Schule abgebrochen haben und gibt ihnen eine Berufsausbildung. An den Vormittagen von Dienstag bis Freitag lernen sie Fertigkeiten in den Bereichen Kochen, Kosmetik und Textilarbeit. Ich habe am Freitag den Kochkurs besucht und es hat mich wirklich überrascht, wie professionel die Kinder und Jugendliche dort Gerichte zubereiten und sie sowohl ästhetisch als auch kulinarisch hochwertig zubereiten und dann anschließend verkosten.

So, das soll’s erstmal gewesen sein von meinem ersten richtigen Blogeintrag. Weitere werden sicherlich folgen. Adios!

Warum ich einen Blog schreibe

Ich fliege am 17.09.2019 nach Piura, einer Stadt im Nordwesten Perus, um dort einen Freiwilligendienst für ein Jahr zu machen. Ich werde dort sicherlich sehr viele neue Erfahrungen erleben und möchte in diesem Blog davon berichten.

Gerade weil ich, im Gegensatz zu meinem sozialen Umfeld in Berlin, mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten werde, die ganz andere Lebensrealitäten erleben, wird es für mich sicherlich eine sehr spannende, aber wahrscheinlich auch nicht ganz einfache Erfahrung werden. So möchte ich in diesem Blog davon berichten, Erlebnisse schildern und Gedanken teilen. So kann ich auch euch, liebe Leserinnen und Leser an meinem Freiwilligendienst teilhaben lassen.

Viel Spaß beim Lesen!